Ein Blick auf Haltung und Methoden
Systemisches Arbeiten basiert auf einer Grundhaltung, die den Blick vor allem auf die Fähigkeiten und Möglichkeiten eines Menschen richtet, und darauf, wie Veränderungen gelingen können. Diese Haltung ist geprägt von echter Neugier und Wertschätzung gegenüber jedem Menschen.
Der Mensch wird nie isoliert betrachtet, sondern immer im Zusammenhang mit seinem Umfeld, seiner Familie, seinem Freundeskreis, seiner Arbeit und seiner Kultur. Er wird gesehen in der Vielfalt seiner Beziehungen, seiner Lebensgeschichte und der Gemeinschaften, in denen er lebt.
Die systemische Arbeit geht davon aus, dass jedes Verhalten – auch problembehaftetes – innerhalb eines bestimmten Kontextes einen tieferen Sinn ergibt. Probleme werden nicht als Fehler verstanden, sondern als „Ausdruck“ von etwas, das bislang noch keine andere Lösung gefunden hat. Diesen Sinn zu entdecken, öffnet neue Wege und Sichtweisen. Statt zu bewerten, wird gefragt und verstanden. In der systemischen Arbeit wird also nicht gefragt: Was stimmt nicht?“, sondern: „Wofür war dieses Verhalten einmal wichtig?“
Es wird davon ausgegangen, dass alle Antworten, die wir brauchen, bereits in uns selbst liegen, auch wenn sie manchmal verborgen, unzugänglich oder blockiert erscheinen.
Im Fokus der systemischen Arbeit stehen nicht Defizite oder Diagnosen, sondern die vorhandenen Stärken und Fähigkeiten. Es wird weniger gefragt, warum etwas so ist, wie es ist, sondern vielmehr: „Was kann in der konkreten Situation helfen, damit es wieder besser wird?“ und „Wann und in welchem Kontext verschlimmert oder verbessert sich etwas?“
Es geht nicht um Fehler oder einen Mangel in einer Person oder in einem ganzen System, es geht nicht darum, Schuld zu suchen, sondern darum, die Belastungen im Miteinander, in Beziehungen oder in bestimmten Lebenskontexten zu verstehen, um herauszufinden, was wieder zu einer Stärkung und Unterstützung führen kann.
Anstatt sich ausschließlich mit Problemen zu beschäftigen, wird also in der systemischen Beratung und Therapie gemeinsam nach möglichen und realistischen nächsten Schritten geschaut. Oft hilft schon ein Perspektivwechsel, um Veränderung möglich zu machen und neue Handlungsmöglichkeiten erkennen zu können.
Systemisches Arbeiten bedeutet, sich der eigenen Sichtweisen bewusst zu werden und diese als Möglichkeiten, nicht jedoch als absolute Wahrheit zu begreifen. Es gibt kein richtig oder falsch, sondern nur den gemeinsamen Weg, neue Möglichkeiten zu entdecken. Es geht um Neugier statt um Deutungshoheit.
In der systemischen Beratung und Therapie wird Sprache achtsam und bewusst benutzt. Es wird davon ausgegangen: Wie wir über etwas sprechen, prägt unser Erleben und das wiederum unser Handeln.
Es stehen keine vorgefertigten Meinungen der Therapeut*innen im Mittelpunkt. Die Anliegen und Ziele werden in jeder Einzelstunde erneut gemeinsam festgelegt und erarbeitet.
Für mich bedeutet das:
- Ich sehe Sie nicht isoliert, sondern eingebettet in Ihre Beziehungen, Ihre Erfahrungen und in Ihr inneres Wissen. Wir werfen gemeinsam einen frischen und wertschätzenden Blick auf Ihre Lebenswelten und auf das, was Sie bewegt.
- Wir schauen uns die Wechselwirkungen an, die Sie in Ihren Beziehungen erleben und versuchen, Ihre Beziehungsmuster zu verstehen und neue Spielräume für Sie zu eröffnen.
- Sie bleiben zu jedem Zeitpunkt unserer Zusammenarbeit die Expertin bzw. der Experte für Ihr eigenes Leben. Ich begleite Sie mit Fragen, neuen Perspektiven und Impulsen, die helfen können, festgefahrene Sichtweisen zu weiten und neue Handlungsmöglichkeiten zu entdecken.
- In unserer gemeinsamen Arbeit klären wir, was Sie gerade brauchen und was hilfreich sein kann. Manchmal geht es darum, Klarheit zu gewinnen, manchmal geht es um Entlastung, manchmal um Mut für Veränderung und manchmal um konkrete Schritte.
Typische Techniken, die ich in der Beratung oder Therapie mit Ihnen nutzen werde, sind z.B.:
- Die Erstellung eines Genogramms (siehe Abbildung unten): Das ist eine Art Beziehungs- oder Familienlandkarte, die hilft, Muster und Zusammenhänge sichtbar zu machen.
- Zirkuläres Fragen: Hier handelt es sich um Fragen, die verschiedene Perspektiven einbeziehen, um neue Blickwinkel zu eröffnen. Sie machen erfahrbar, wie sich Menschen gegenseitig beeinflussen und was dazu beiträgt, dass bestimmte Muster aufrechterhalten werden.
- Skalierungen: Diese kleinen Übungen helfen, Gefühle, Schwierigkeiten und auch Fortschritte auf einer Skala einzuordnen und besser zu verstehen.
- Ressourcenarbeit: Wir werden aufmerksam Ihre Stärken und Fähigkeiten erkunden, die Sie unterstützen können.
- Aufstellungen oder Visualisierungen: Das sind bildhafte Methoden, die Beziehungen und Situationen greifbarer machen und Veränderungen erleichtern.

Beratung und Therapie sind Wegbegleiter auf der Reise zu sich selbst, geschützte Räume, in denen wir wachsen, Neues entdecken und unsere eigenen Möglichkeiten entfalten können. In Beratung und Therapie finden wir Klarheit, innere Tiefe und mehr Freiheit, unser Leben selbstbestimmt zu gestalten.
